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Kirchenburg-Führungen

Der Heimatkreis Merklingen bietet nach Absprache mit dem Vorstand eine Führung durch die Merklinger Kirchenburg und die Ortsmitte an.

Wenn Sie unsere Kirchenburg mit einer Gruppe besichtigen möchten, vermitteln wir Ihnen gerne einen Führer. Bitte wenden Sie sich dazu an unser Gemeindebüro.

Die Homepage des Heimatkreises Merklingen finden Sie unter unserer Rubrik "Links".

Die Merklinger Kirchenburg - Geschichte

Blick auf die Kirchenburg im Winter

Blick auf die Kirchenburg im Winter

Blick auf die Kirchenburg im Winter

Der Namensgeber

Remigius war Bischof von Reims. Er taufte am Weihnachtsfest 498 den Frankenkönig Chlodwig nach dessen Sieg über die Alamannen. Er wurde zum Namensgeber der Remigiuskirche Merklingen. Daraus kann man schließen, dass Ort und Kirche vermutlich im 6. Jahrhundert an der Grenze zwischen Franken und Alamannen gegründet wurde. Die erste urkundliche Erwähnung stammt allerdings erst aus dem Jahr 1075. Remigius hat sich für die römische katholische Staatskirche und damit gegen die vor allem germanischen Arianer (Anhänger des alexandrinischen Presbyters Arius, der die Menschlichkeit Jesu betonte) eingesetzt.


Die Landschaft

Merklingen umgeben von Wald und Feldern
Merklingen umgeben von Wald und Feldern

Merklingen liegt bis heute im Bereich fränkischer Besiedlung (Bauweise: giebelseitig, nicht traufseitig – siehe Mittlere und Hintere Straße) und Mundart. An dieser fränkisch-alamannischen Grenze finden sich neben der Kirchenburg Merklingen noch weitere Kirchenburgen (z.B. Weißach, Iptingen, Lienzingen).


Die Besitzverhältnisse

Bis 1272 gehörte Merklingen zu den Calwer Grafen. Von da an prägte das Schwarzwaldkloster Herrenalb, welches auch noch Besitz in Oberderdingen bei Mühlacker und in Malsch bei Rastatt hatte, Ort und Kirche. Siehe Wappen aus dem 13. Jh. jeweils am Türsturz der beiden Türen des Steinhauses (links: Wappen von Herrenalb; rechts: Rose der Grafen von Eberstein, der Schutzherren von Herrenalb).



Bedeutung und Orientierung

Merklingen war seit Mitte des 15. Jahrhunderts Sitz eines klösterlichen Amtes und durch Herrenalb nach Wesen orientiert, obwohl im Osten das aufstrebende Württemberg lag. Zum Merklinger Amt gehörten Hausen, Simmozheim, Hengstett und Gechingen. Merklingen bekam später auch das Marktrecht. Durch die nötige Abgrenzung nach Süden (freie Reichsstadt Weil der Stadt) und nach Osten (Württemberg) blieb Merklingen etwas isoliert.



Die Kirche

Der imposante Kirchturm (von Westen)

Der imposante Kirchturm (von Westen)

Der imposante Kirchturm (von Westen)

An das 15. Jahrhundert erinnern in der Merklinger Remigiuskirche der Betstuhl mit klösterlichem Chorgestühl und die Fresken an der Sakramentsnische im Turmchor aus dem Jahr 1478.


Nach einem Brand 1417 wurde die romanische Remigiuskirche, eine Basilika, 1425 neu angelegt und spätgotisch umgebaut. Im 16. Jahrhundert hatte die Kirche nur ein kleines, nach Osten (Richtung Jerusalem) ausgerichtetes Schiff, das 1595 querhausartig nach Süden erweitert wurde, weil sonst innerhalb der Burg kein Platz war. Die Kirche wurde also umorientiert. Der Chor mit seinem Kreuzrippengewölbe wurde zum „Nebenraum“. Das oberste Turmgeschoss mit Glockenstuhl und Turmhelm wurde aufgesetzt und das Kirchenschiff mit einem großen Dach für die Ökonomie vergrößert.



Die evangelische Zeit

Vom ersten evangelischen Pfarrer in Merklingen weiß man nur den Namen: Hiefelen. 1573 wurde außerhalb der Kirchenburg das Pfarrhaus gebaut. Damit begann bis zum 30-jährigen Krieg eine etwas ruhigere Zeit in der Gemeinde.


In der Kirche erinnern drei Grabmäler an Merklinger Amtleute (evangelisches Beamtentum). Unter dem Turm: 1593 Leonhardt Breitschwert und seine Frau mit acht Kindern. Über der Kanzel: 1612 Jakob Essig, Schwiegersohn von Breitschwert.


Der Sitz der Amtleute war das Amtshaus, heute Kindergarten an der Hausener Straße.



Kriegszeiten

Im 30-jährigen Krieg sollte Merklingen rekatholisiert werden. Doch wurde die evangelische Pfarrerreihe nur kurz unterbrochen. In diesem Krieg bot die Merklinger Kirchenburg mit ihren alten Mauern den Bürgern letztmals ein wenig Schutz. Nach dem Krieg wohnten nur noch 151 Bürgerinnen und Bürger im Dorf. Krieg, Hunger und Pest hatten die anderen 400 getötet. Die Französische Revolution (Ende 18. Jahrhundert) schließlich machte vollends deutlich, dass die Kirchenburg als Schutz vor Feinden längst ausgedient hatte. In den Jahren 1796 bis 1800 wurden die Befestigungen größtenteils beseitig.



Neuzeit

Altarraum mit Kirchenfenstern von Wolf Dieter Kohler

Altarraum mit Kirchenfenstern von Wolf Dieter Kohler

Altarraum mit Kirchenfenstern von Wolf Dieter Kohler

1873 wurde die Remigiuskirche in Merklingen erneuert: spitzbogige, neugotische Fenster wurden anstelle der früheren ovalen Fensterlaibungen aus der Renaissancezeit eingesetzt. Dann wurden die drei Emporen herausgenommen, um für alle den Blick auf Kanzel, Altar und Taufstein, die auf die drei Hauptstücke des evangelischen Gottesdienstes hinweisen, freizugeben. 1964 wurde ein neugestaltetes Chörlein angebaut, um dem Schiff eine Orientierung zu geben. Die Glasfenster stammen im Chor von Wolf Dieter Kohler: „Anbetung des Lammes“ (aus Offenbarung des Johannes 5), oberhalb der Empore von Adolf Saile: „Der Baum des Lebens und die Paradiesströme“. Die Orgel stammt von der Firma Vier (1985).



Die Kirchenburganlage, „Stadt“ genannt

Kirchenburg aus Richtung Weil der Stadt kommend gesehen - rechts das Merklinger Rathaus

Kirchenburg aus Richtung Weil der Stadt kommend gesehen - rechts das Merklinger Rathaus

Kirchenburg aus Richtung Weil der Stadt kommend gesehen - rechts das Merklinger Rathaus

Die Merklinger Kirchenburg war ursprünglich sehr schlicht. Sie bestand aus hölzernen Bauten, aber einem wehrhaften steinernen Turm. Zum Schutz dienten zunächst nur der durch Quellen gespeiste Graben und der Zwinger (der Platz zwischen Kirche und der inneren Mauer, der zugleich Grablege war).


Im Lauf der Zeit gab es viele Veränderungen und Erweiterungen. Nach dem Brand 1417 wurden Kirche und Burg 1425 wieder aufgebaut.


Die Kirche umgaben zwei Mauerringe mit einem äußeren Grabenwall, das Steinhaus (alte Wohnburg des Ortsadels im 13. Jahrhundert, Kornhaus?), ein halbrunder Turm mit Schießscharten (ehemalige Amtsdienerwohnung), ein Torhaus (heute erweitert und Raum für den Heimatkreis mit einem im Aufbau begriffenen Heimatmuseum) mit Zugbrücke, ein „Türmle“ (ehemaliges Gefängnis im Untergeschoss, im Obergeschoss Mesnerwohnung) und eine halbrunde Bastion, das Amtsgemach (neben Steinhaus, heute abgebrochen), das Schnelltörle (im Zusammenhang mit der neuen Mauer abgebrochen), die Gaden (oder Kirchhäuslein genannt, abgebrochen), der Kirchgraben (im Norden überbaut, zum Teil mit dem Gemeindehaus / Remigiushaus, im Süden der Anlage).


Das Merklinger Pfarrhaus stammt von 1576, das Rathaus von 1601, beide außerhalb der Kirchenburg.


Das Amtshaus ist ebenfalls außerhalb der Kirchenburg gelegen, später wurde es Amtsschreiberei, heute ist ein Kindergarten dort untergebracht.


Ein unterirdischer Gang führte (vermutlich) vom Steinhaus zum „Großen Haus“, das gegenüber dem Steinhaus (Richtung Westen) liegt.



Die Predigt der Kirchenburg

Die Merklinger Kirchenburg predigt durch ihr Dasein. So wie sie früher Zuflucht bot für Menschen in Not, so bietet die Kirche immer noch die Botschaft an: „Eine feste Burg ist unser Gott.“ Und nicht von ungefähr steht innerhalb der Merklinger Kirchenburg an der Wand des halbrunden Turms: „Wir sind hier fremde Gäste und bauen doch so feste. Da, wo wir sollen ewig sein, da bauen wir so wenig drein.“



(Texte Recherchiert und zusammengestellt von Martin Luscher und Kurt Rommel, Fotos: Regine Buess)